ÖL- UND ACRYLMALEREI

Eigen-Leben

Ab 1978 und in enger Verbindung mit der Arbeit an den Grafik-Editionen begann ich, Ölbilder zu malen und mich mit Farbkompositionen auseinander zu setzen. Dabei handelt es sich nicht um eine farbige Umsetzung der Zeichnungen und Radierungen, vielmehr entfaltet die Bildgestaltung durch die Farbbeziehungen eine eigene Dynamik, haben die Ölbilder ein unabhängiges Eigenleben. Daher tragen sie als Titel nur das Jahr ihrer Entstehung und die Nummer der Reihenfolge, in der sie in dem jeweiligen Jahr entstanden sind.

Die Entdeckung eines neuen Kontinents zwischen Luxemburg und Belgien

 

 

Um ihrer bedrängten Sache willen solidarisieren sich die Einzelgänger

 

Die unaufhaltsame Vergrößerung des Details im Augenblick des Vergessens

Kinder-Bilder 

Unsere Familie wuchs. Zu den drei Kindern, mit denen wir nach Deutschland gezogen waren (Sven, Tina, Brice), kamen 8 weitere bambini hinzu (Iris, Mia, Eva, Sara, Eric, Alice, Tommy und Anna) und schließlich noch ein Pflegekind (Salomé). Wir bauten unsere Häuser in Engenhahn und in St. Palais-sur-Mer, Frankreich, mehrfach aus und schafften es, eine harmonische, antiautoritäre Familienatmosphäre gedeihen zu lassen.

Spuren davon sind meine Bilder, die ich für unsere Kinder malte, von denen jedes sein eigenes „Reich“ bekam. Die Bilder haben meistens ein Thema, das auf eins der Kinder gemünzt war..

Begegnungen, Eindrücke

Zwischen 1980 und 2000 entstanden Ölbilder, die, angestoßen durch Begegnungen und Erlebnisse mit Menschen in meiner Umgebung, zu imaginären Wirklichkeiten wurden – Wirklichkeiten des Wir-seins, der Erfüllung, der Entfremdung und des schmerzlichen Verlierens. Es sind Spuren meines Lebens in dieser Zeit und der Erinnerungen an mir wichtige Menschen.

 

St. Palais-sur-Mer

1971 hatten wir durch einen günstigen Umstand in der Charente Maritime an der französischen Atlantikküste ein Stück Land erstanden, auf dem wir ein Haus nach unseren eigenen Plänen bauen ließen. Dort, in meinem Atelier in St. Palais-sur-Mer, entstanden bis etwa 2005 die in diesem Dokument enthaltenen Zeichnungen und Ölbilder, die durch die Atlantikatmosphäre und ihr Licht, durch die gelassene Mentalität in dieser Gegend und unseren Garten angestoßen wurden und eine imaginäre Wirklichkeit der Erfüllung und des Paradiesischen widergeben.

Erinnerungen

Inzwischen hatte ich den Höhepunkt meiner beruflichen Entwicklung bei der Firma Arthur D. Little erreicht und zog mich aus dem „rat race“ des Größer- und Bekannterwerdens zurück, nicht dass ich die Segel strich, aber ich schaffte mir die Freiheit, unabhängiger über meine Zeit zu verfügen und mir der Wichtigkeiten und Unwichtigkeiten bewusst zu werden.

Die Spur davon findet sich in Bildern aus den Jahren 2000 bis 2003, für die mir die Erinnerung an frühere Erlebnisse der Erfüllung den Anstoß gab und in denen sich die imaginäre Wirklichkeit traumhaften Wir-Seins, aber auch des Verlierens und der Vergänglichkeit niederschlug.

 

Tausendundeine Nacht

Die Bildreihe „Tausendundeine Nacht“, die zwischen 2007 und 2008 entstand, ist Ausdruck von Wildheit, Fülle, Gelüsten und Rausch. Ich erlebte mich als von Sinnen und Begierde überwältigtes Wesen, meine Sinnlichkeit umfasste das Schmecken, das Tasten, das Riechen, das Sehen wogender, sich bäumender Körper. Diese Wirklichkeit einzufangen, seine Reinheit der Lust und Natürlichkeit zu wahren, war für mich ein Vorgang wie vielleicht das Vertonen einer Rhapsodie, aber mit Farben und Formen.

 

Cognac

Von St. Palais-sur-Mer aus gelangt man an dem schönen Fluss Charente entlang und vorbei an wogenden Weinhängen  zu dem Städtchen Cognac und dem dortigen Karmeliterkloster, in dem unsere älteste Tochter Tina als Soeur Marie-Pierre du Christ lebt, kontemplativ, entsagend und doch in ihren Gebeten fürsorglich und verbunden.

Die Besuche bei ihr und die Gespräche über ihre Berufung, ihren Glauben und ihre Liebe waren für mich der Anstoß zu meinen Cognac-Bildern, die zwischen 1998 und 2005 entstanden, Bilder einer Wirklichkeit der Ideale und Werte, die mich dazu bewegen, mich mit anderen verbunden zu fühlen, Glaubender in einer Gemeinschaft von Berufenen zu sein, die sich für Gerechtigkeit und Hilfe Bedürftiger einsetzt und auf die Existenz eines Schöpfers vertraut.

Bilder im Kontext

Für eine geplante Ausstellung in einer Berliner Galerie meinte der Galerist, dass Künstler mit ihrer Arbeit den Bezug zum Kontext ihres Schaffens, ihrer Zeit erkennbar machen müssten. „Kontextualisierung“ – was immer das heißt.

Mich sprach diese Sicht an. Nichts was ich schaffe, ist ohne Kontext. Aber der Galerist meinte eine viel offensichtlichere Kontextualisierung.

Von früher Jugend an hatte ich mein Staunen über das, was Menschen tun und sich antun, zum Ausdruck gebracht – und so nahm ich wiederum mein Staunen heute über menschliche Absurditäten als Anstoß für bildnerische Gestaltung.

So entstanden Bilder des Staunens. 

 

Fatih

Im Jahr 2015 war die Künstlergruppe 50 zu einer Ausstellung in der Wiesbadener Partnerstadt Istanbul/Fatih eingeladen

Die Tage in Fatih – noch vor den widersinnigen Terroranschlägen –, die sich im Tagesverlauf wandelnde Lichtatmosphäre und der geschichtsbeladene Verhaltensstil der Menschen vor der Kulisse des früheren Byzanz und Konstantinopel schlugen sich danach in meinen Fatih-Bildern nieder.